Leider kommt es immer mal wieder vor, dass unsere Katzen in Not sind. Und meistens passiert das, wenn der Tierarzt schon Feierabend hat. So ein Katzen-Erste-Hilfe-Kurs – ein Katzenseminar – , das wär’s. Also googelten wir nach “Katzen erste Hilfe Kurs”. Viele Ergebnisse, allerdings entweder für Hund und Katze gemeinsam oder weit weg. Wir stießen dann aber auf  die Katzenpraxis von Dr. med. vet. Michael Streicher.

Er bot unlängst ein Abendseminar im Hotel Mövenpick in Oberursel bei Frankfurt an, das mein Mann und ich dann besuchten. Da Dr. Streicher ein reiner Katzentierarzt ist und keine anderen Tiere behandelt, ist er natürlich ein echter Spezialist in Sachen Samtpfoten. Das war uns dann 2 Stunden Anfahrt und 30 € Kursgebühr (pro Person)  wert.

Wie war der Ablauf des Katzenseminars?

Der Abend war in drei Phasen eingeteilt. Zuerst stellte uns Dr. Streicher in einer Powerpoint- Präsentation verschiedene Krankheiten und Verletzungen von Katzen vor, die vor allem auch in seiner eigenen Praxis an der Tagesordnung sind, und erklärte uns, wie man sie behandeln kann.

Dann folgte eine Pause, in der uns ein Süppchen (sehr lecker!) mit verschiedenen Brotvariationen gereicht wurde. Die Verpflegung, einschließlich aller Getränke, war im Eintrittspreis von 30,00 Euro pro Person inbegriffen.

Anschließend ging Dr. Streicher auf weitere Katzenkrankheiten ein. Inzwischen brannten den Zuschauern viele Fragen, ihre eigene Katze betreffend, auf den Nägeln, die man nun loswerden wollte. Dr. Streicher beantwortete alle, blockte keine Frage ab und hielt durch, bis alle Teilnehmer zufrieden waren.

Zum Schluss ein Geschenk

Als Abschluss erhielt jeder Teilnehmer ein kleines Notfallset für seine Schnurrer in der Hoffnung, das natürlich niemals anwenden zu müssen.

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Was haben wir gelernt?

Da ein Großteil der Teilnehmer Freigänger hatte, der Rest Wohnungskatzen, war natürlich das Interesse der Zuschauer unterschiedlich. Unsere Katzen betraf vor allem das Thema Vergiftungen und verschlungene Fremdkörper, Impfungen, Katzengras

Vergiftungen

Hochgiftig und daher tödlich für Katzen ist Alkohol. Daher sollte man mit alkoholischen Getränken gefüllte Flaschen und Gläser immer katzensicher abstellen. Wenn eine Katze eine offene Flasche Wein oder ein Glas Whiskey umstößt, in die entstandene Pfütze fällt und die Flüssigkeit ableckt, ist sie tot.

Flohschutzmittel

Häufig leben Hunde gemeinsam mit Katzen in einem Haushalt. Wenn Hunde ein Flohschutzmittel benötigen, sollte man immer eines nehmen, das für Hunde und Katzen geeignet ist, denn häufig sind reine Hundeflohschutzmittel für Katzen giftig.

Medikamente

Herzmedikamente des Herrchens/Frauchens, Aspirin, Schmerzmittel sind für Katzen tödlich. Eine Tablette reicht aus, um das geliebte Schnurrerchen in den Katzenhimmel zu befördern.

Verschlungene Fremdkörper

Drastische Bilder zeigten uns, was Katzen alles in sich hineinschlingen und daran häufig auch sterben: Murmeln, Weihnachtsbaumschmuck, Lametta, Schnüre, Teile von Spielzeugangeln (Katzenspielzeug ist häufig gefährlich für Katzen.) Geldstücke, Knöpfe. Ein Grund dafür ist, dass die Zunge der Katze aus hornigen Stacheln besteht, an denen Fremdkörper – wenn sie ins Katzenmäulchen genommen werden – hängen bleiben. Die Katze kann sie oft nicht mehr ausspucken und muss sie hinunterwürgen. Der Besitzer bemerkt zuerst nichts davon, erst wenn die Katze aufgehört hat zu fressen und starke Krankheitssymptome zeigt. Häufig ist dann jede Hilfe zu spät. In schwierigen OPs wird versucht, z. B. abgestorbene Teile des Darms zu entfernen oder Fremdkörper herauszunehmen.

Impfungen

Zu diesem Thema wollte sich Dr. Streicher nicht gerne äußern, da er dazu seine eigene Meinung hat, die nicht immer in Einklang mit seinen Kollegen oder der Pharmaindustrie steht.

Er empfiehlt aber bei Kitten die Grundimmunisierung in der 8./12./16., eventuell auch noch einmal in der 20. Woche, und nach einem Jahr durchzuführen. Die Impfintervalle anschließend sollte man mit dem Tierarzt seines Vertrauens absprechen. Hier gilt für ihn: Weniger kann mehr sein.

Katzengras

Gefahren gehen oft auch von Katzengras aus. Dr. Streicher hat jede Woche Patienten, denen ein Grashalm im Rachen oder in der Zunge steckt und der entfernt werden muss. Außerdem haben Gräser häufig scharfkantige Blätter, die Zunge, Speiseröhre und Rachen aufschlitzen können.

Hier empfiehlt Dr. Streicher, selbst aus Weizensamen Gräser zu ziehen, die nicht scharfkantig sind.

Schmerzen bei Katzen

Wer glaubt, Katzen hätten keine Schmerzen, der täuscht sich. Aber in der freien Wildbahn bedeutete das Zeigen von Schwäche für Katzen den sicheren Tod. Daher ertragen auch noch unsere Hauskatzen den Schmerz und lassen sich nichts anmerken, bis es meistens zu spät für eine Heilung ist. Selbst mit komplett vereiterten Zähnen fressen Katzen noch. Dr. Streicher zeigte im Video, wie eine Katze in tiefer Narkose bei der Extraktion der Zähne noch zuckte, also Schmerzen empfand.

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Fazit

Das Seminar hat uns sehr gut gefallen. Es war informativ und kurzweilig. Wir hatten den Eindruck, dass hier ein Arzt vor uns stand, der etwas von seinem Handwerk versteht. Wir bedauern, dass wir von ihm nicht früher erfahren haben, sonst hätten wir versucht, mit unserem Djino, der vor Kurzem starb, einen Termin zu bekommen. Vielleicht hätte Dr. Streicher sein Leben noch etwas verlängern können.

Ein Tierarzt, der nur Katzen behandelt und daher ein absoluter Katzenspezialist ist, findet man nicht alle Tage. Schade, dass er zwei Stunden Autofahrt von uns entfernt praktiziert.

www.katzen-praxis.de