Als ich letzten Samstagmorgen meinen Fuß aus dem Bett gleiten ließ, stand unser Kater vor mir und würgte mir einen Schwall Wasser entgegen, als ob er sagen wollte: “Ich finde es zum Ko……, dass du das ganze Wochenende nicht da sein wirst. ” Seine Art, mir etwas mitzuteilen. Unsere Katzen hassen es, wenn wir mal wegfahren, ja, sie leiden regelrecht, obwohl sie während unserer Abwesenheit bestens versorgt werden. So kommt es nicht selten vor, dass aus leidenschaftlichen katzenlosen Weltenbummlern plötzlich Stubenhocker werden, die die Vorzüge ihres Gartens oder ihres Balkons schätzen, wenn erstmal eine Katze bei ihnen eingezogen ist.

Unsere Katzen wollen bei uns sein

Unsere Fellnasen lieben unsere Gesellschaft. Sie rennen mit mir, wenn es sein muss, zehnmal in den Keller, um etwas heraufzuholen. Sie sitzen auf der Waschmaschine, wenn ich sie einräume, und sie wollen in den Kühlschrank einsteigen, sobald ich ihn öffne. Wenn ich krank bin, liegen sie geduldig mit mir auf dem Sofa und tun so, als ob es die Welt da draußen im Garten nicht gäbe. Wir verständigen uns durch Blicke und Berührungen und es scheint, als ob jeder über den anderen genau Bescheid wisse. Es herrscht die perfekte Harmonie zwischen Mensch und Katze, die unter Menschen ihresgleichen sucht.

Wie kamen Wissenschaftler in der Verangenheit bloß auf den Gedanken, Katzen  seien  – im Gegensatz zu Hunden  –   nicht in der Lage, Gefühle und Stimmungen ihres Menschen zu erfassen? Sie seien mit sich selbst zufrieden und würden den Menschen nicht vermissen, wenn ausreichend für Futter gesorgt ist.

Wie unsere Katzen ihr Leiden zeigen

Katzen mögen es nicht, wenn ihr geregelter Tagesablauf durcheinander gebracht wird und wir nicht da sind. Mein erster Kater, mein Seelenkater, fiel bei meiner Abwesenheit in eine regelrechte Depression. Er schlief die meiste Zeit und verweigerte die Nahrungsaufnahme, sodass wir auf die Idee kamen, mit ihm zu telefonieren. Meine Stimme zu hören tat ihm gut und so retteten wir ihn über die Urlaubstage hinweg. Sein Nachfolger, ein weniger verschmuster Geselle, aber umso sensibler, versteckte sich unter einer Tanne im Garten und wollte weder fressen noch ins Haus kommen. Und als sein Bruder gestorben war und ich danach zwei Tage wegfahren musste, erlebte ich zum ersten Mal etwas, das ich nicht für möglich gehalten hätte: Er weinte. (Beschrieben in meinem Beitrag: Die Katze, die weinte. Link am Ende des Artikels)

Das Gespür unserer Katzen

Ich gehe davon aus, unsere Schnurrer wissen genau, wann ein Abschied bevorsteht. Das Kofferpacken und meine hektische Betriebsamkeit am Tag davor sind eindeutige Signale dafür.  Das muss in ihnen – wie oft auch bei den Menschen – körperliche Symptome auslösen. So kam es immer wieder vor, dass wir nicht wussten, ob wir eine Fahrt überhaupt antreten konnten. Einmal lag der eine morgens struppig und teilnahmslos im Katzenkorb, das nächste Mal schien der andere plötzlich von einem Magen-Darm-Virus befallen zu sein. Einer meiner letzten Kater wurde regelmäßig vor unserer Abfahrt von Brechreiz überwältigt. Nicht selten verschoben wir die Abfahrt um einige Stunden, bis sich das Krankheitsbild geklärt hatte.

Da man seinen Schätzen solch Ungemach ersparen will, reduziert man die Tage der Abwesenheit auf ein Minimum. Oder – man nimmt sie mit. Es soll ja inzwischen auch Hotels geben, in denen Katzen erlaubt sind. Ob man den Schnurrern damit allerdings einen Gefallen tut, ist fraglich.

Die beste Lösung

O welch glückliche Fügung!! Vor einem Jahr haben wir die perfekte Katzensitterin gefunden: einfühlsam und bereit, alle notwenigen Streicheleinheiten zu geben. Unsere Katzen lieben sie. Daher fahren wir jetzt mit weniger Bauchschmerzen weg, wenn es einfach mal sein muss. Wenngleich auch die Symptome vor unserer Abreise immer noch die gleichen sind, so machen die Katzen bei unserer Rückkehr einen sehr ausgeglichenen und zufriedenen Eindruck.

Link, passend zum Artikel:

Die Katze, die weinte