Hast du deiner Samtpfote diese Woche schon ins Mäulchen geschaut?  Nicht nötig, denkst du, sie frisst ja gut. Also ist alles im grünen Bereich. Weit gefehlt. Katzen zeigen nämlich ihre Schmerzen nicht. Sie machen dies erst, wenn sie so groß sind, dass manchmal alles zu spät ist und schon Organe erkrankt sind.

Angeblich haben 85 % aller unserer Katzen ab dem 3. Lebensjahr Zahnprobleme. Und dabei sind nicht nur Rassekatzen betroffen, sondern auch freilaufende Bauernhofkatzen. Meine Fellnasen waren von diesem Übel bis vor Kurzem verschont geblieben. Welch ein Glück!

Rousseau nach Zahn-OP

Wie Rousseau seine Zahnschmerzen zeigte…

Doch irgendwann holte auch uns die Statistik ein. Ich merkte plötzlich, dass mit Rousseau etwas nicht stimmte. Zuerst kam es mir vor, als ob er manchmal hinken würde. Ich tastete alle Glieder ab, aber er zeigte keine Reaktion, die auf eine schmerzende Stelle hätte hinweisen können. Dann begann seine Schläfrigkeit. Ich bin es gewöhnt, dass unser Schnurrer morgens beim ersten Alarmton des Weckers Gewehr bei Fuß an meinem Bett steht. Plötzlich musste ich unseren Kater wecken, der noch völlig schlaftrunken aus seiner Höhle schaute, wenn ich erschien. Das gab mir zu denken. Ein Kater mit vier Jahren ist normalerweise im besten Mannesalter und hat ständig alle Antennen auf Empfang geschaltet. Bei allen meinen Katzen hatte ich eine Krankheit am nachlassenden Appetit bemerkt. Der war bei Rousseau aber ungebrochen. Also konnte es nicht so schlimm sein, beruhigte ich mich. Egal, jetzt war ein Besuch beim Tierarzt angesagt.

Diagnose des Tierarztes

Der Bewegungsapparat schien in Ordung zu sein, das zeigte auch ein Röngtenbild. Vor allem aber war die Tierärztin von Rousseaus muskulösem Körper begeistert. Selten sehe sie solch herrliche Kater mit derart festen Muskeln. (Das tägliche Fitness-Training im Garten trug wohl seine Früchte.) Laut Blutuntersuchung gab es an Rousseaus Gesundheit nichts zu rütteln. Aber die Backenzähne befanden sich in einem desolaten Zustand und die Entzündigung des Zahnfleisches war offenkundig. Die Tierärztin vermutete sogar größere Eiterherde. Die Praxis ist auf Zahnprobleme spezialisiert. Sie besitzt ein digitales Röntgengerät, mit dem die einzelnen Zähne und Zahnwurzeln während der OP geröntgt werden. Dadurch kann festgestellt werden, welcher Zahn und welche Zahnwurzel extrahiert werden muss.

Zahnerkrankungen bei Katzen: Zahnfleischentzündungen

Die Tierärztin informierte mich über die häufigsten Zahnerkrankungen bei Katzen. Zahnstein ist häufig die Ursache allen Übels. Er enthält Bakterien, die zu schmerzhaften Zahnfleischentzündungen (Gingivitis), ja sogar eitrigen Infektionen der Zahnwurzel führen können, und dort zu Zahnwurzelabszessen. Die Folge sind Abbau von Zahnfleisch, Zähnen und Kieferknochen, Ausfall der Zähne.

Aber das Schlimmste: Die Bakterien können in die Blutbahn gelangen und so an verschiedenen Organen wie Nieren, Herz, Leber Erkrankungen verursachen.

Rousseau genießt die Morgensonne

FORL

Eine der häufigsten Zahnerkrankungen der Katzen ist FORL. (Der Name ist eine Abkürzung für “Feline Odontoklastische Resorptive Läsion”. ) Warum Katzen daran erkranken, weiß man leider bis heute nicht genau. Allerdings können Zahnfleischentzündungen, wie sie durch Ablagerungen entstehen, diese äußerst schmerzhafte Erkrankung begünstigen. Bei FORL attackieren körpereigene Zellen die gesunde Zahnsubstanz.  Das Gefährliche ist, dass der Abbauprozess des Zahns meist im Wurzelbereich beginnt und von außen zunächst nicht gesehen wird. Das heißt, unter weißen, gesund scheinenden Zahnkronen, modern kranke Wurzeln langsam vor sich hin. Das Ausmaß der Krankheit kann daher nur festgestellt werden, wenn die Zähne geröntgt werden.

Unsere Burmakatzen warten aufs Fressen

Welches können Zeichen dafür sein, dass meine Katze ein Zahnproblem hat?

Katzen sind Weltmeister im Verschleiern von Schmerzen. Daher muss man als Besitzer sein Tier immer genau beobachten und sich fragen, ob

  • sich Zahnbeläge gebildet haben
  • ein übel riechenden Mundgeruch vorliegt
  • die Katze einen übermäßigern Speichelfluss hat
  • sie einseitig kaut
  • sie sehr vorsichtig und zögerlich kaut
  • sie plötzlich anstelle ihres geliebten Nassfutters nur noch Trockenfutter mag. (Trockenfutter bleibt nicht so lange auf dem schmerzenden Zahn und kann schnell runtergeschluckt werden.)
  • sie öfters den Kopf schüttelt und mit der Pfote das Maul berührt. (Die Katze will den Schmerz wegschütteln.)
  • sie das Futter immer wieder fallen lässt.
  • sich das Verhalten der Katze verändert hat. Katzen mit Schmerzen werden ruhiger, schlafen viel, haben nicht mehr die gleiche Lust zum Spielen.

Katzentierärzte empfehlen mindestens pro Jahr eine Kontrolle der Zähne.

Rousseau genießt das Kraulen des Bauches.

Welche Therapiemaßnahmen leitet der Tierarzt ein?

  • Zahnbeläge werden unter Narkose entfernt.
  • Lockere Zähne werden gezogen, da sich darunter leicht Infektionen bilden können.
  • Bei Zahnfleischentzündungen wird Antibiotika gegeben.
  • Zähne müssen geröntgt werden. Viele Zahnärzte haben schon ein digitales Röntgengerät, bei dem in der Narkose das Röntgenbild auf dem Computermonitor angesehen werden kann. Gerade bei FORL ist das Röntgen unumgänglich.

Wenn FORL diagnostiziert wird…

Alle betroffenen Zähne müssen gezogen werden, einschließlich der betroffenen Wurzeln. Die leeren Zahnfächer müssen gegebenenfalls vernäht werden, damit keine Bakterien eindringen können.

Wichtig: Katzen können auch mit stark reduzierter Zahnanzahl oder ganz ohne Zähne gut fressen. Denn sie kauen ihr Futter nicht, sondern zerreißen es.

Die OP bei unserem Kater

Aufgrund von FORL und massiver eitriger Zahnfleischentzündungen mussten Rousseau 22 Zähne gezogen werden. Aber er hatte Glück im Unglück. Zungenstützende Reiß- und 4 kleine Schneidezähne, oben und unten, konnten erhalten werden! Daher fällt es auch beim Gähnen nicht auf, dass ihm Zähne fehlen, sodass einer Teilnahme bei einem Katzenschönheitswettbewerb nichts im Wege steht.

Nach der OP…

Rousseau ist ein Teufelskerl!!! Als ich ihn nach der OP nach Hause brachte, führte ihn sein erster Gang zum Fressnapf, wo er sich sein Nassfutter einverleibte, als ob nichts gewesen wäre. Die Tierärztin hatte das im Vorfeld erlaubt. Die Antibiotikagabe, die ich schon zweieinhalb Tage vor der OP begonnen hatte, musste ich noch 3 Tage nach der OP weiterführen. Auch das gestaltete sich problemlos, da Rousseau den sogenannten Trojaner FeliGum liebte, in dem ich das Medikament verstecken konnte.

Nach wenigen Tagen war Rousseau wieder der Alte. Seine Freude am Springen und Spielen war wieder zurückgekehrt. Und…… er hinkte nicht mehr.

Unsere Burmakatzen lieben sich

Kosten

Die Tierärzte rechnen nach der Gebührenordnung (GOT) ab. Sie können für einzelne Leisungen bis zum dreifachen Satz abrechnen. Bei der Festlegung des Satzes spielen z. B. folgende Faktoren eine Rolle: Ausstattung der Praxis, Zeitaufwand, Schwierigkeit der Leistung, Komplikationen. Die OP kostete bei Rousseau ca. 550 Euro, dazu kamen zwei Nachkontrollen mit etwa 30 Euro, die Erstuntersuchung mit Blutbild, ca.  100 Euro, einschließlich der Medikamente also insgesamt 680 Euro.

Das ist natürlich eine Stange Geld. Aber ohne die Extraktion von so vielen maroden Zähnen wird eine Katze nicht alt, sagte mir die Tierärztin. Die OP musste also sein. Und wenn man sein Tier mit neu erwachter Lebensfreude durch Haus und Garten tollen sieht, vergisst man schnell die Tierarztkosten.