Es gibt Leute, die haben Pferde kotzen sehen. Aber habt ihr schon Katzen weinen sehen? Ich schon. Dass ein Kater so um seinen Brud­er trauert und dabei selb­st krank wird, erlebten wir bei unserem Sam­my.

Zwei Kater werden getrennt

Sam­my und Sil­vo waren Wur­fgeschwis­ter und unz­ertrennlich. Im Alter von sieben Jahren erkrank­te Sil­vo an Nierenin­suf­fizienz und war inner­halb weniger Wochen tot. Nach­dem er dann gestor­ben war, beobachtete ich Sam­mys Ver­hal­ten. Eine Woche lang keine Reak­tion. Na ja, dachte ich, anscheinend macht es ihm gar nichts aus, dass er alleine ist.

Wie Sammy trauert

In der 2. Woche musste ich drin­gend ver­reisen und ließ Sam­my bei meinem Mann. Dieser rief mich nach weni­gen Tagen an, um mir zu sagen, dass Sam­my recht “komisch” sei. Ich fuhr sofort nach Hause. Kein freudi­ges Begrüßen, kein lautes gur­ren­des Miauen, keine Katze da. Sam­my war wohl im Garten. Aber er muss doch mein Auto gehört haben! Nichts ahnend ging ich ins Schlafz­im­mer. Was ich jet­zt sah, trieb mir selb­st die Trä­nen in die Augen. Zusam­mengerollt zu einem kleinen Häufchen Katze lag mein ursprünglich großer, kräftiger Kater, das Fell nass an den Kör­p­er gek­lebt. Als er mich erblick­te, öffnete er die Augen. Und das waren keine Katzenau­gen, das waren Men­schenau­gen, in denen sich unendliche Trauer und Verzwei­flung wider­spiegel­ten. Die Rän­der waren rot und nass. Er weinte. So etwas hat­te ich nicht für möglich gehal­ten. Wie ver­lassen muss sich dieser Kater gefühlt haben. Erst war der Brud­er weg und dann auch noch seine wichtig­ste Bezugsper­son. Ich hob ihn auf meinen Schoß und ver­suchte ihn zu trösten. Bei­de wein­ten wir, ich nicht wegen des Ver­lustes mein­er Katze, son­dern aus tief­stem Mit­ge­fühl mit meinem trau­ri­gen Kater, der mir unendlich leid tat.

Sammy

Sam­my

Und so ging es weiter

Gut ging es Sam­my erst wieder, als er sich an seinen neuen Spielka­m­er­aden gewöh­nt hat­te, den wir ihm ins Haus geholt hat­ten. Aber er litt for­t­an lebenslang an ein­er Allergie, die ich mit Hil­fe ein­er Tier­heil­prak­tik­erin in Schach hal­ten kon­nte. Außer­dem hat­te er sich angewöh­nt, bis ins hohe Alter jede Nacht um 4 Uhr ein lautes Schreikonz­ert durch das ganze Haus zu ver­anstal­ten, nach dem man hätte den Weck­er stellen kön­nen.

Titelfoto: Andreas Lischke auf pixabay, 2. Foto: Fotolia_​119437859

Link zu meinem Artikel, in dem der Ver­lust unseres See­lenkaters Micky beschrieben wird:

Wie unsere erste Katze ihren Todeszeit­punkt selb­st bes­timmte