Es gibt Katzen, die den Tag am liebsten verschlafen. Aber es gibt auch nimmermüde Exemplare, die den ganzen Tag aktiv sind und nicht wissen, wohin mit ihren Kräften. Zwei von der Sorte nennen wir unser eigen. Wenn schlechtes Wetter ist und sie lieber im Haus bleiben, kommt es nicht selten vor, dass sie traurig vor mir am Schreibtisch stehen, als wollten sie sagen:” Frauchen, was sollen wir tun, uns ist langweilig.”

Heute kein Gartenwetter…

So ein öder Tag ist heute. Ich sitze am Computer und beobachte durch die Augenwinkel, was die beiden Mäuse so treiben. Zum fünften Mal stehe ich auf und lasse mich von Rousseau maunzend zur Terrassentür führen. Er will immer wieder von Neuem testen, ob Luftfeuchtigkeit, Temperatur  und Windstärke für einen Rundgang im Garten passend sind. Auch dieses Mal wird er enttäuscht. Er zieht sich schaudernd zurück und lässt sich auf einem Heizkörper nieder. Aber sicher nicht lange. Das weiß ich aus Erfahrung. Ich setze mich auch wieder.

Rousseau wartet auf ein Spiel

Unsere Spielsachen sind langweilig….

Mein Gehirn raucht vor Anstrengung. Keine Idee, nichts. Da, plötzlich ein Gedankenblitz!! Endlich! Meine Finger gleiten auf der Tastatur hin und her. Upps, Sari sitzt auf meiner Schulter und seilt sich über meinen Wollpulver auf meine Brust ab. Ein tiefes Bedürfnis nach Nähe hat sie spontan übermannt. Also müssen wir ein Weilchen kuscheln. Dann setze ich sie vor den Tisch und werfe eine Spielzeugmaus, der sie  mit großen Augen gelangweilt nachsieht. Ihr Blick sagt alles: “Frauchen, wie öde, die kenne ich doch schon. Hast du kein neues Spiel?”

Unsere Burmakatzen warten auf Beschäftigung

Auf der Suche nach einer neuen Abwechslung…

Das kann ja heiter werden. Ich muss doch arbeiten! In Gedanken gehe ich die Spielsachen durch, die ich im Keller deponiert habe. Ich wechsle nämlich von Zeit zu Zeit alle aus, damit sie interessant bleiben. Das uralte Geschicklichkeitsspiel, das ich mit Leckerlis befüllen kann, wäre doch mal wieder etwas Neues. Also steige ich die Treppe hinab. Krampfhaft durchsuche ich den Raum, klettere hinter Stühle, Kartons und Gartengeräte. Nichts. Wo hatte ich in meiner Aufräumwut die Katzenspielsachen bloß deponiert? Die Zeit verfliegt und ich muss mir hier das Gehirn zermartern. Mein Mann würde sagen: “Warum musst du auch immer alles wegräumen. Auf deinem Grabstein steht mal geschrieben: Sie hat aufgeräumt.”

Rousseau, der geahnt hat, dass Abwechslung naht, ist mir gefolgt. Plötzlich ein Schlag, drei Koffer fliegen durch die Gegend, Rousseau schießt unter ein Regal und ich entdecke das gesuchte Spiel, das Rousseau offensichtlich treffsicher ausfindig gemacht hat.

Unsere Burmakatzen im Spiel

Endlich etwas, das Spaß macht…..

Wieder oben angekommen, befülle ich den Holzkasten mit Leckerlis. Jetzt sind beide erst einmal beschäftigt und ich kann endlich arbeiten. Ab und zu schiele ich zu ihnen hinüber und muss schmunzeln. Rousseaus Verrenkungen, um an die Leckereien zu kommen, sind filmreif.

Nun geht es mit meiner Geschichte vorwärts. Ich skizziere den Handlungsbogen, schreibe die Einleitung und das erste Kapitel. Perfekt. Plötzlich spüre ich kräftige Kopfstöße  gegen mein Bein und vier durchdringende Blicke richten sich mit eindeutiger Botschaft auf mich: “Frauchen, wir sind fertig, was sollen wir jetzt machen?” “Oh nein”, denke ich, “könnt ihr nicht mal ein Weilchen mit euch selbst spielen. Vielleicht eine kleine Verfolgungsjagd durchs Haus?” Ausnahmsweise.

Sari braucht ihre Kuscheleinheit

Frauchen hat eine zündende Idee…..

Mir fällt der Tunnel ein, den ich für mein Patenkind gekauft hatte. Ich hole ihn. Er ist noch ganz neu und somit hochinteressant für meine beiden Rabauken. Sie beschnuppern jeden Quadratzentimeter und saugen gierig die Gerüche ein. Ich werfe Bällchen und Mäuse hinein, klettere selbst durch den Tunnel, dass das Plastik nur so knistert und die Katzen mich von außen fangen wollen. (Hoffentlich sieht das keiner.) Dann werfe ich eine große Wolldecke über den Tunnel, sodass eine Öffnung halb verschlossen ist. Unter der Decke bewege ich ein Seil hin und her. Die Schnurrer laufen zu Hochform auf. Sie  pföteln nach dem Seil, lauern unter der Decke, rennen durch den Tunnel……….und sind glücklich.

Leise schleiche ich mich davon. Sie scheinen jetzt endlich ihren Zeitvertreib gefunden zu haben. Eine gefühlte Ewigkeit später merke ich, dass es immer ruhiger im Zimmer geworden ist und beide erschöpft auf der Decke vor sich hindösen. Das hält sie aber nicht davon ab, sämtliche Geräusche und Bewegungen im Haus zu registrieren.

Rousseau ganz entspannt mit Herrchen

Jetzt muss Herrchen dran glauben…….

Als mein Mann irgendwann zur Haustür hereinkommt, fahren beide wie auf Kommando auf, stürzen ihm entgegen, tänzeln um ihn herum. Aus reinem Übermut beißt Rousseau ihn in den Fuß, während sich Sari vor ihm aufbaut und ihm eisige Blicke entgegenwirft, die keinen Zweifel an ihrer Aussage lassen: “Mir ist sooo langweilig, keiner spielt mit mir.”

Hier noch zwei Links mit Spielideen:

Womit sollen unsere Katzen spielen?

Was Wohnungskatzen wollen