Schlagzeilen wie diese lesen wir zurzeit  immer wieder: Katzen – die größten Feinde der Vögel. Oder: 30 Millionen Vögel sterben jährlich durch Katzen. Ornitholgen fordern: Sperrt die Katzen ein!

Wohnungskatzen oder Freigänger?

Bei diesem Thema scheiden sich die Geister. Und jede Seite hat stichhaltige Argumente. Die einen führen z. B. ins Feld, dass die Welt außerhalb der vier Wände eine einzige Gefahrenzone ist, in der Katzen nur eine kurze Lebensdauer beschieden ist. Naturschützer glauben, dass Katzen für das Aussterben ganzer Tierarten verantwortlich sind und deshalb jeglicher Freigang untersagt werden müsse. Gegner dieser These weisen aber darauf hin, dass Katzen über die Jahrtausende ihre Wildheit bewahrt haben, auch entgegen des menschlichen Einflusses, und die Freiheit und Unabhängigkeit zu ihrem Wesen gehöre. Typische kätzische Eigenschaften, die wir gerade an ihnen lieben, würden durch das Eingesperrtsein verkümmern. Daher könnten Katzen in Gefangenschaft nur unglücklich sein. Wer von beiden Recht hat, muss jeder, der eine Katze adoptiert, selbst entscheiden.

Wohnungskatzen

Aber eines ist klar: Eine Katze nur im Haus oder in der Wohnung zu halten, ist nicht so einfach, wenn man ein verantwortungsvoller Tierfreund sein will. Es reicht nicht aus, einen schönen Kratzbaum zu kaufen und ab und zu eine Spielmaus zu werfen. Kürzlich lernte ich bei Freunden eine Frau kennen, die mir von ihrer teuren Rassekatze berichtete. Sie lud mich ein, zu ihr zu kommen und das Reich ihres Lieblings anzuschauen. Voller Neugierde war ich wenige Tage später bei ihr und nicht wenig erstaunt über die schicke Villa, in der sie wohnte. Beim Eintreten wuselte aber kein Fellnäschen um ihre Beine. Dieses ruhte gerade in seinem Zimmer. Sie führte mich in einen großen Raum, der mit vielen spektakulären Katzenspielsachen bestückt war: mehrere riesige Kratzbäume, ein Laufrad, Spieltiere, Bälle, Geschicklichkeitsspiele. Ich kam mir vor wie in einem Fachgeschäft für Katzen. Aber wo war die Bewohnerin des Zimmers? Diese versteckte sich unter einer Couch und wollte nicht hervorkommen. Besucher machten ihr Angst. Es stellte sich bei einer Tasse Kaffee heraus, dass die Katze wegen der teuren Möbel und Teppiche nur unter Beobachtung aus ihrem Zimmer herauskommen durfte. Und da die Hausherrin entweder viel weg war oder Besuch empfing, verbrachte die Katze die meiste Zeit bei ihren herrlichen Spielsachen in ihrem eigenen Zimmer.  Aber alleine. Ein Extremfall. Vielleicht.

Auch Wohnungskatzen können glücklich sein…

Viele Tierärzte sagen, dass Wohnungskatzen, die die Freiheit nie erlebt haben, genauso glücklich sein können wie Freigänger, da sie sie ja nicht kennen. Instinkte, die sie draußen benötigen, wurden gar nicht ausgebildet. Da Katzen – auch in  Freiheit – vorwiegend auf Beobachtungsposten liegen, seien sie glücklich, wenn sie einen interessanten Ausguck in der Wohnung haben, von einem gesicherten Fenster, einem Balkon oder einer Terrasse aus. Auf jeden Fall sind sie weder Gefahren noch Krankheiten ausgesetzt. Auch haben sie keinen Stress, was die Nahrungssuche betrifft, und somit die Chance auf ein langes Leben. Allerdings muss man fairerweise sagen, dass auch im Haus genügend Gefahren für unsere Schnurrer lauern. Ich denke hier an Putzmittel, Spielzeug, das zerlegt und verschluckt wird, giftige Pflanzen, Weihnachtsschmuck und noch vieles mehr.

Das brauchen Wohnungskatzen:

Eine Zweitkatze

Unabdingbar ist ein Kumpel, mit dem die Fellnase spielen oder kuscheln kann, wenn Frauchen oder Herrchen nicht da ist. Selbst bei intensiver Betreuung kann ein Mensch einen Artgenossen nicht ersetzen. Kürzlich fragte ein Mitglied einer Katzengruppe eine Verfechterin der Einzelhaltung, ob sie denn ihrer Katze das Fell und die Öhrchen lecke, wenn diese immer alleine sein muss. Übertrieben? Ich denke nicht. Es muss allerdings gesagt werden, dass es tatsächlich auch Ausnahmeexemplare von Katzen gibt, die keine weitere Fellnase im Haus akzeptieren, gerade dann wenn sie schon längere Zeit alleine gehalten wurde.

Platz

Katzen habe ein Bedürfnis nach Bewegung, vor allem wenn sie noch jung sind. Sie wollen erforschen, sich austoben, Abenteuer erleben. Ein einziger kleiner Raum ist dazu nicht geeignet.

Anregungen zum Spiel und zur Jagd

Kartons

Wenn Katzen ihren Jagdinstinkten in der Natur nicht nachgehen können, müssen wir ihnen drinnen ein interessantes Revier schaffen. Dazu brauchen wir nicht das teuerste Spielzeug zu kaufen. Unsere Katzen liebten in jedem Alter Kartons. Ich bringe sie ihnen aus verschiedenen Geschäften mit, um ihnen ein möglichst großes Spektrum an Gerüchen zu bieten, und tausche sie immer aus. (Link zu meinem Artikel über unsere Kartons am Schluss dieses Beitrags)

Leckerlis

Leicht lassen sich Katzen auch mit Leckerlis zur Jagd anregen, in dem man an verschiedenen Stellen im Haus Leckerlis versteckt. So haben unsere Schnurrrer während unserer Abwesenheit eine Beschäftigung. (Außerdem gibt es unzählige Beschäftigungs- und Intelligenzspiele mit Leckerlis.)

Decken

Unsere Katzen lieben Decken, die über Stühlen und Sofas hängen. Immer wieder werden neue Arrangements von Abdeckungen gemacht und darunter Spielzeug versteckt, das geangelt werden kann.

Klettern

Kratzbäume zum Klettern sind ein Muss. Wer dazu noch Möbel hat, auf die man hochklettern kann und die einen interessanten Ausguck bieten, hat schon gewonnen. Ansonsten werden im Internet viele Möglichkeiten angeboten, an den Wänden mit Brettern Katzenstraßen anzubringen.

Spielsachen austauschen

Bei Katzen ist es wie bei Kindern: Spielsachen werden langweilig. Daher stehen bei uns immer nur einige Dinge zur Verfügung. Der Rest liegt im Schrank und wird nach einiger Zeit wieder hervorgeholt. Um ein Spielzeug attraktiv zu machen, kann man es eine Nacht in eine Plastikdose mit Baldrian legen.

Wasserschüssel mit Bällchen

Wenn Katzen gerne  mit Wasser spielen, kann man ihnen eine Schüssel mit Wasser füllen und kleine Gegenstände schwimmen lassen. Sie werden versuchen, sie zu fangen.

Karton mit Papier

Katzen lieben das Rascheln des Papiers und suchen gerne Gegenstände oder Leckerlis. Wir knüllen daher Papier in einen Karton und lassen die Katzen darin Leckerlis oder Spielmäuse suchen. Allerdings sollte man hier vorsichtig sein. Die Katze einer Freundin missbrauchte eine solche Spielmöglichkeit als Katzenklo.

Frauchen und Herrchen

Die vielfältigen Spielmöglichkeiten für Katzen ersetzen aber eines nicht: das Spiel mit Herrchen oder Frauchen. Jeder, der sich  Katzen ins Haus holt, muss bereit sein, mindestens zweimal am Tag ausgiebig mit seinen Schnurren zu spielen. Ebenso wichtig sind Nähe und Kommunikation. Wer also den ganzen Tag außer Haus arbeitet und abends auch noch ständig weggeht, sollte sich keine Katze anschaffen, auch nicht zwei.

Worüber man selten spricht…

Wer sich für eine Wohnungskatze entscheidet, sollte im Vorhinein wissen, dass Katzen, die nur in der Wohnung leben, mehr Arbeit machen als reine Freigänger. Man muss sich schon manchmal über die Menge an Klumpen wundern, die man tagtäglich aus dem Katzenklo fischt. Nicht zu sprechen von den Sandspuren, die sich oft auf dem Fußboden, dem Sofa, dem Schreibtisch, oder wo auch immer, abzeichnen. Aber nicht genug: Man sollte sich auch fragen: Ist man in der Lage, ein Kotbällchen anzufassen, das sich am Fell festgesetzt hat und sich mitten im Wohnzimmer löst? Kann man Haarbälle, die ausgewürgt wurden, vielleicht sogar auf dem Bett, wegwischen? Darauf gibt es nur eine Antwort: Man kann,  wenn man sein Schnurrerchen liebt. 

Reine Freigänger – Wohnungskatzen

Katzen, die sich vorwiegend draußen aufhalten, haben ihre Artgenossen, ihre Nahrungsquelle und brauchen die Gesellschaft des Menschen nicht zwingend. Sie können zu ihrer Bezugsperson aber dennoch eine enge Bindung aufbauen. Wohnungskatzen sind von ihren Adoptiveltern vollkommen abhängig. Ohne sie wären sie nicht lebensfähig. Daher muss sich jeder, der eine Katze ins Haus holt, im Klaren darüber sein, dass er für viele Jahre die Verantwortung für dieses Tier übernimmt mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Dazu gehört auch, ihm im Haus ein interessantes Revier zu schaffen, in dem es Abenteuer erleben kann.

Link zu den Spielmöglichkeiten:

Womit sollen unsere Katzen spielen?

Link zum Thema: Wann Katzen leiden:

Wann unsere Katzen leiden